Essen und Trinken wie im Mittelalter auf dem
Katharinenmarkt oder:

"Wie man ein teutsches Mannsbild bey Kräfften hält"

War es der natürliche Drang nach dem möglichst guten Überleben der Untergebenen, so hatte der Adel

bereits längst eine weitergehende Eßkultur entwickelt. Sinnenfreuden auf möglichst vielfältige Art, das war die Devise der mittelalterlichen Gastereyen und Festmähler, Augen, Nase, Ohren und Gaumen sollten gleichermaßen gereizt werden. Tafelmusik erfreute die Gäste, während die zahlreichen "Trachten" (Gänge), wie mit Veilchen gefärbtes Frikassee oder Aal in Weinsud mit Ingwer und Zimt, aufgetragen wurden. "Allerley Mummerey und Kurzweyl", Auftritte von Gauklern, Spielleuten und Possenreißern krönten solche Gelage, die allerdings wohl nur den Wohlhabenden und dem Adel vorbehalten waren.

Aber auch das einfache Volk wußte zu kochen und zu backen. Hans J. Fahrenkamp war den vergessenen Küchengeheimnissen des Mittelalters in Archiven und Sammlungen auf der Spur. Mehr als hundert Rezepte entdeckte er dabei (wieder), probierte sie aus und schrieb sie in zeitgemäßer Form auf.

"Wie man ein teutsches Mannsbild bei Kräfften hält" ist der Titel des Buches. Hier erfährt man, wie "Steynbrot", ein Fladenbrot, das im Mittelalter zu allen Speisen gereicht wurde, bereitet wird, wie ein "Ruckn von wildschweyn in krustem" (überkrusteter Wildschweinrücken mit Weinbeeren) oder "Lambpraten vonn spiess" nach dem päpstlichen Leibkoch Bartolomeo Scappi zubereitet wurden.

Diverse Kostproben der mittelalterlichen Küche werden die Besucher auf dem Katharinenmarkt zu sich nehmen können. Die Küchenmeister und Sudköchinnen aus der Kumpaney der Hoyaer Marktleuten besitzen diese Rezeptsammlung und werden am Marktwochenende verschiedene Speisen anbieten.

Wurst vom Eisenrost und Fleisch in ganzen Batzen bietet die Fleischbraterei und das Angebot wird durch die Mastochsenbrust erweitert. Wer dann nach einer kulinarischen Reise durch das Mittelalter den rechten Abschluß sucht, wird ihn am Käsestand finden, wo neben losen Sprüchen auch allerley Köstlichkeiten zum Schließen des Magens bereit gehalten werden.

Sollte sich bei der Völlerei einer den Magen verrenken so hält die Quacksalberey das Hoyaer Magenexlixir bereit, "welches im Lande weitgerühmt und wohl auch geeignet wär dafür zu sorgen dass im Magen wieder die rechte Ordnung herrsche, und die Würmer aus dem Leib zu vertreiben. Wer also Wissen erleben möchte wie es im Mittelalter in den Tavernen und Schankstuben zugegangen sein mag, kann dies auf dem Katharinenmarkt in Hoya erleben. Kritiker sollten sich jedoch zurückhalten, denn in mittelalterlichen Tischregularien findet sich der folgende Hinweis:

"So einer den Gaben die die Küchenmeister angerichtet haben nit weidlich zusprechet, ergo muffelig Fratzen schneidet oder gar trutzig dreinschauet: Ein solcher Tischgesell soll auf der Kuhhaut aus dem Saal geschleifet werden und am Pranger enden, von wo aus der Völlerei nur noch zuzugaffen wäre."

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