Markttag im 14. Jahrhundert - Drangvolle Enge von früh bis spät

Die Märkte waren nicht nur Kauf- und Verkaufstage. Sie waren Treffpunkt, Gerichtstag und Anlaß, Urteile öffentlich zu vollstrecken.

Die Kunden waren begierig, nicht nur die neuesten Waren zu sehen, sondern auch den Klatsch aus der bekannten Welt zu hören.

Bei der Trödlerin drängten sich die Frauen. Es gab Bänder und Garn in allen Farben, Schnallen und Häkchen, Heftlein und Nestlein und glänzende Seidenbändel aus Italien.

In der Nähe des Fischstandes stank es, gerade an Sommertagen, fürchterlich. Vor dem Rathaus waren die Stände der Fernhändler. Der Quacksalber bot leuchtend gelben Safran aus Spanien, blaue Salze und karmesinrotes Pulver, das aus winzigen getrockneten Spinnen gewonnen wird, an. Er führte Gewürze und Kräuter, wie Koriander, Anis, Kreuzkümmel, Ingwer, Zimt, Krappwurz, Kardamon, Thymian, Rosmarin, Dill und Lavendel aus dem Süden Frankreichs mit sich.

Der Kürschner verkaufte Hasenbälge, Schaffelle, Hermelin- und Fuchsschwänze. Die es sich leisten konnten, kauften sich ein Lammfell, um im Winter gut gewärmt zu sein. Der Lederhändler hatte Geldkatzen, bunt gefärbte Lederbeutel und farbiges Riemenzeug hergestellt und bot sie lautstark an.

Küfer hatten die für die Vorratshaltung unentbehrlichen Fässer ausgestellt. Über Glut gebogene Dauben wurden mit Holzringen zu Fässern zusammengefügt. Lässig standen ein paar "Barmherzige Schwestern" auf ihren hochhackigen Holzschuhen am Rande des Marktes. Eigentlich sollten sie ihre Dienste nur in den engen Gassen oder versteckten Winkeln anbieten.

Einen Menschenauflauf verursachte ein Tanzbär. Wenn sein "Herrchen" an der Kette zog, die ihm durch den Nasenring gezogen wurde, wackelte das Tier mit dem Kopf und drehte sich hin und her. Die Leute schrien vor Freude. Was war da ohnehin für ein Johlen und Schreien! In den Lärm der Gaukler und Narren mischte sich das Schnattern der Gänse, Kinder brüllten, Schlachttiere Schrien angsterfüllt und die Marktschreier versuchten, sie lautstark zu übertrumpfen.

Weil nur wenige lesen und schreiben konnten, war der Schreiber an Markttagen ein vielbesuchter Mann. Bei ihm ließen sich die Leute Briefe oder Verträge, Listen oder Abrechnungen schreiben. Als Schreibwerkzeug dienten ihm Tintenhorn, Feder und Messerchen zum Radieren. Man schrieb auf Pergamentblättern, die aus Kalbs- oder Schafhäuten hergestellt waren.

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